Hier kann im Blog gesucht werden

Wird geladen...

Montag, 17. Oktober 2011

Gesundheitszentren ohne Verbandsmaterial

Bereits im Sommer (oder vielleicht schon früher?) hatten die Probleme in den Κέντα Υγείας (Gesundheitszentren) begonnen, bedingt durch „Engpässe“ in der Versorgung mit Medikamenten, Spritzen, Verbandmaterial etc.

Zur Erklärung:
Diese landesweit von Andreas Papandreou (Ministerpräsident Griechenlands von 1981 bis 1989 und noch einmal von 1993 bis zu seinem Tod im Jahr 1996, Vater des heutigen Ministerpräsidenten Griechenlands, Georgios Papandreou) eingerichteten Gesundheitszentren sind nicht nur als Ambulanzen zu verstehen, sie stellen für die meisten Griechen die einzige Möglichkeit dar, zu einem Arzt zu gehen, denn die freischaffenden Ärzte arbeiten nicht immer mit den Krankenkassen zusammen. Leider konnte nämlich Andreas Papandreou seinen Plan, ein Gesundheitssystem nach deutschem und schwedischem Modell mit Ärzten aufzubauen, die mit allen Krankenkassen zusammenarbeiten sollten, nicht durchsetzen, der Widerstand der Ärzte war wohl zu groß. So muss man bei einem Arzt, der „draußen“ tätig ist, seine Behandlungskosten sofort entrichten, je nach Krankenkasse bekommt man manchmal einen Teil davon zurückerstattet. Das ist natürlich nicht die Regel, wenn man aber doch in den Genuss einer Zuzahlung kommt, dann muss man sich in Geduld üben, bis auch der letzte notwendige Stempel zur Genehmigung der Kostenerstattung seinen Weg auf eins der vielen, für die ganze Prozedur nötigen Papiere gefunden hat.

Die 5 Euro „Eintritt“ in das Gesundheitszentrum, die im Frühsommer dieses Jahres eingeführt worden sind, sind auch dann zu entrichten, wenn wegen des Selben gesundheitlichen Problems mehrere Male zum Arzt gegangen werden muss. Bei zahnärztlichen Behandlungen und längeren Therapien, die permanente ärztliche Überwachung bedingen, kann auch das schon ganz schön ins Geld gehen.

Im Sommer dieses Jahres kam es zu einem kleinen Unfall mit einem Mofa, der nicht allzu schwer war. Die betroffene Fahrerin und ihr Mitfahrer hatten sich durch das Schlittern über den Asphalt zwar schmerzhafte, aber nicht gefährliche Schürfwunden und leichte Verbrennungen zugezogen, die allerdings gereinigt und ärztlich versorgt werden mussten.
Nach dem Säubern der Wunden an Armen und Beinen hätten die Wunden der beiden eigentlich verbunden werden müssen, doch der Arzt meinte voller ehrlichem Bedauern, er verfüge nicht mehr über ausreichend Verbandszeug. Es fehle an allem, sogar die Spritzen gingen langsam aus, und er glaube nicht mehr so richtig daran, dass in absehbarer Zeit neues Material geliefert werde.

Dass sie das Gesundheitszentrum mit nur dürftig zugeklebten, zum Teil offenen Wunden hatten verlassen müssen, war für die beiden nur leicht Verletzten laut eigener Aussage kein großes Problem. Was aber, so meinten sie, wenn nun jemand käme, der wirklich schwer verletzt und blutend nicht ohne entsprechende Wundversorgung auskäme?

Was ist eigentlich genau gemeint, wenn wieder einmal von den Medien berichtet wird, dass die Regierung – unter der Führung der Troika, versteht sich – „Einsparungen im Gesundheitssystem“ ankündigt?
Ist denn tatsächlich noch etwas an Leistungen der Krankenkassen gegenüber ihren Versicherten übrig geblieben, an dem „Kürzungen“ vorgenommen werden könnten?


Alles das, was Andreas Papandreou auf dem sozialen Sektor des Landes Ellas in vielen Jahren aufzubauen versucht hat, und von dem ohnehin nicht mehr viel übrig gewesen war, wird nun von seinem Sohn Georgios Papandreou gemeinsam mit dessen Helfershelfern systematisch zerstört.  Ob sich der seit 15 Jahren verstorbene, ehemalige Ministerpräsident manchmal im Grabe umdreht angesichts der Tatsache, dass sein Sohn die letzten verbliebenen Reste seiner harten Arbeit für ein sozialeres und gerechteres Gesundheitssystem dadurch ehrt, dass er sie immer weiter dem kompletten Ruin entgegen führt?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen