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Mittwoch, 19. Oktober 2011

Versäumnisse, die sich rächen

Geplauder aus dem Nähkästchen, so könnte man diesen Bericht nennen, denn es ist der Bericht über die Wirklichkeit in Ellas, die gerade am eigenen Leibe erfahren werden darf.
Vielleicht gewinnt so der eine oder andere ein bisschen mehr Einblick in die Lage, in der wir in Ellas uns befinden. Vielleicht könnten manche MENSCHEN daraus sogar eine Lehre ziehen, frei nach dem Motto „Der Kluge macht nicht alle Fehler selbst, er gibt auch anderen eine Chance“, denn manche Versäumnisse ziehen nur kleine Konsequenzen nach sich, andere aber ziemlich große und zumeist auch recht unangenehme, wie z.B. das Versäumnis, rechtzeitig vor dem Sommer noch schnell Heizöl zu kaufen ...

Ab Mitte Mai gibt es in Griechenland kein Heizöl mehr, das weiß zwischenzeitlich jeder. Der offizielle Grund für das Gesetz, dass ab Frühsommer bis Mitte Oktober kein Heizöl verkauft werden darf, wird in dem betreffenden Gesetzesparagraphen meines Wissens nicht genannt, die Vermutung der ganz speziellen „Griechenlandkenner“ lautet, dass die Griechen mit ihrer Mentalität das billige Heizöl statt teurem Diesel in die Tanks ihrer Autos kippen würden. Nun, hier bräuchte man sich darum jetzt keine Gedanken mehr machen, die Preise sollen einander ja angeglichen werden.

Viele kluge „Griechenköpfe“, die sich mit der Politik des Landes und der EU auseinandergesetzt hatten, bestellten also vor Mitte Mai große Mengen Heizöl und machten ihre Tanks so voll, wie es ihre finanziellen Möglichkeiten erlaubten. Mit dem Ergebnis, dass bereits vor dem offiziellen Ende der erlaubten Lieferungen ins Haus so gut wie nichts mehr da war. Man suchte auch bei Tankstellen, die weiter entfernt vom Heimatort waren, es war jedoch definitiv nichts mehr zu bekommen.

Sei es drum, dachte man, dann muss ab Oktober eben in den sauren Apfel … nein, besser: in das bis dahin teure Heizöl, gebissen werden – und nicht selten wurde im Sommer gespart, damit genug Geld bis zum Herbst da wäre.
Allerdings musste nicht selten auch an warmem Wasser gespart werden, denn wer keine Solaranlage hat, der heizt sein Verbrauchswasser eben auch mit Heizöl.

Das Verfassen dieses Artikels wird begleitet von dem Summen eines kleinen Heizlüfters, der es jedoch nicht schafft, kalte Finger aufzuwärmen. Ja, bei einer Temperatur von um die 15 Grad im Haus werden sogar die Pfoten kalt, und zu oft darf das kleine Hilfsmittelchen auch nicht eingeschaltet werden, man muss schließlich auch an die nächste Stromrechnung denken.

Der offene Kamin ist angeheizt - leider raucht er nicht schlecht, aber lieber im Rauch als den ganzen Tag im Bett ;-) – und auch mit dem Holz muss sparsam umgegangen werden, die 4 Tonnen sollen ja für den ganzen Winter reichen. Und außerdem – manche haben im Moment gar keine Heizung, nicht mal eine rauchende.

Telefon abmelden, ein guter Plan, denn die Grundgebühr ist ziemlich hoch. Wir haben ja Handys, und man hängt schließlich nicht ständig an der Strippe.
Geht aber nicht, denn dann ist auch das Internet weg. Privatanbieter, wie z.B. Vodafon, verlangen in zwei Monaten auch schon um die 50 Euro, und außerdem verfügen sie nicht über ausreichend Leitungen, sodass man nicht unbedingt von der OTE … hoppla, nein, das ist ja jetzt die Deutsche Telekom, also, man kann nicht so einfach den Anbieter wechseln.

Ohne Internet geht´s meistens ohnehin nicht, denn viele Schüler des Gymnasiums müssen jetzt in Informatik und Technologie, zwei Grundfächer im Gymnasium, ihre Hausaufgaben in WORD erstellen und dann per Mail an die Lehrer schicken.
Und dann kommt noch dazu, dass man als Lehrer sich vielleicht die Mühe macht, das Fehlen der Bücher in der Schule dadurch auszugleichen, dass man Arbeitsblätter am PC erstellt, die eine ganze Lektion in einem einzigen zu kopierenden Blatt zusammenfassen, und sich dafür Material aus dem Internet herunterlädt. Schließlich können die Schulen auf Dauer das Kopieren der einzelnen Buchseiten für ihre Schüler – zumeist für alle Fächer – nicht mehr finanzieren, und nur wenige Eltern verfügen über die finanziellen Mittel, das selbst zu bezahlen.

Aber eigentlich ist doch für Gymnasien und Lyzeen diese DVD mit allen Büchern im pdf-Format da, die sollten also nicht rumjammern. Das mit der DVD stimmt, aber eben nur für die beiden oben genannten Schulen, nicht für die Grundschule.
Außerdem sollte man mal selbst versuchen, vom Bildschirm lesend zu lernen, das ist für einen Erwachsenen schon anstrengend genug! Die Übungen zu lösen ist auch nicht mehr so einfach, wenn nach einer Stunde konzentrierten Lesens die Augen langsam müde werden und zu brennen beginnen, und das dann auch noch oftmals in einer schlecht geheizten Wohnung, um zum Ausgangsthema zurückzukehren.

Sollten also die Streikenden verdammt werden dafür, dass es kalt wird in Ellas, und das in jeder Beziehung, also auch bildlich gesprochen?

Das kann man so und auch anders sehen.

Vielleicht geht es gar nicht mehr darum, einen Kampf gegen den Wahnsinn, den uns hier die Politik Griechenlands und der EU aktuell aufzwingen wollen, zu gewinnen.
Vielleicht weiß man hier schon lange, dass kaum ein Streik mehr etwas bewirken kann, dass die Politiker und alle anderen Profiteure der „Krise“ nicht zum Einlenken bewegt werden können, schon lange nicht mittels eines Streiks.

Vielleicht geht es mehr darum, was als Nächstes geplant ist für uns, und ob sich MENSCHEN wirklich brav und mit gebeugtem Kopf zur „Schlachtbank für geplante Massenkündigungen, Lohnkürzungen, Steuererhöhungen und Preissteigerungen“ führen lassen sollten.

Wenn die Dinge so weit gekommen sind, wie wir jetzt gerade erleben – durch Versäumnisse von allen Seiten, Versäumnisse, die sich nun rächen – dann sind Streiks vielleicht das letzte Mittel zum Demonstrieren des eigenen „Nicht-einverstanden-seins“ vor dem Ausbruch echter Gewalt.

Man bedenke eins:
Wir sitzen alle in einem Boot, Grenzen sind eine Erfindung des Menschen, sie existieren aber nur in unserer Vorstellung, in Wirklichkeit gibt es die weder auf unserem Planeten noch in Politik und Wirtschaft.
Sollte also in Ellas auch nur ein einziger Meter für die MENSCHEN des Landes gewonnen werden können, so kann das vielleicht morgen schon ein Präzedenzfall für MENSCHEN in anderen Ländern sein.

Vorsicht also mit dem Urteil über MENSCHEN, die in Situationen handeln, in denen man selbst (noch) nie hat handeln müssen.

 Dazu ein Auszug aus einer Mail, die von einem ebenso klugen wie gefühlvollen MENSCHEN in Deutschland:
„ … Du beschreibst die Lage so, wie ich sie meinen Arbeitskollegen 
u.a. immer versuche nahe zu bringen. Viele sind halt leider Medien 
gesteuert und finden das, was ich ihnen über die Zustände in GR 
erzähle, oft unvorstellbar. Und scheinbar ist es einfacher zu sagen 
"das kann ich mir nicht vorstellen" und dann abzuwiegeln,als sich 
wirklich mal selber schlau zu machen. …“

Kommentare:

  1. Die Entstehung eines Staates oder Land ist ein Krimineller Akt.


    Wirtschaft ist Krieg im Frieden,erst wird der Konkurrent und der mögliche Konkurrent(Arbeitnehmer) bekämpft und falls das Ziel erreicht und es nichts mehr zu Gewinnen gibt,folgt der Satz “Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln”


    M.f.G

    Habnix

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  2. leider erkennen die meisten resteuropäer und besonders die deutschen nicht, daß ihnen in griechenland gerade vorgeführt wird, was sie in allzunaher zukunft erwartet, wenn sie dem treiben der "eliten" keinen einhalt gebieten.

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  3. google: ungarn: eu-beitritt illusionen google:hanf werkstoff google: textilbeton google. biosprit schwindel google:iwf riots/deutsche website google:bock von babelsberg google: hitler,mein onkel google: jüdische nazi - ritterkreuzträger

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  4. google: orban,wachsende armut

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