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Mittwoch, 22. Februar 2012

Die griechische Krise und Griechenlands Rohstoffe - Teil 1

Während man hier damit beschäftigt sind, irgendwie fürs Überleben zu sorgen – und insbesondere bei Familien, deren Ernährer bereits seit über einem Jahr arbeitslos sind, und damit auch keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld haben, darf man mit aller Berechtigung tatsächlich von ÜBERleben sprechen – wird wieder einmal die Diskussion um die Rohstoffe Griechenlands geführt.

Über welche Rohstoffe verfügt die Erde dieses kleinen Landes nun eigentlich?

In erster Linie geht es (angeblich) um Gold.

Nein, das ist kein Märchen, wenn man das auch gerne annehmen möchte, sobald dieses geradezu magische Wort auftaucht.
GOLD
Thema in tatsächlich vielen Märchen, erklärtes Zeichen von Reichtum und Macht.

Dass Griechenland über viele Rohstoffe verfügt, die zu fördern aber stets die nötigen Mittel gefehlt hatten, ist vielen Informierten seit vielen Jahren bekannt. Die Betonung liegt auf „gefehlt hatten“, denn mitten in der schwersten Wirtschaftkrise, die das kleine Mittelmehrland nun erlebt, scheinen die Mittel zur Ausbeutung der Bodenschätze ganz plötzlich aufgetaucht zu sein.

Der Hausberg des Landkreises Kilkis, Nordgriechenland, Makedonien, ist der Paiko.
Auf dem wunderschönen, für die Gegend lebenswichtigen Bergrücken: Fauna und Flora des gesamten Gebietes sorgen für extrem sauberes Trinkwasser, das um so wichtiger für die Menschen hier ist, als der Fluss Axios, der durch das ehemalige Jugoslawien fließt bevor er durch Makedonien kommt und an Thessaloniki vorbei im Meer mündet, industriell genutzt wird und dementsprechend verseucht ist. Das ist besonders in den heißen Monaten, in denen er wegen der Trockenheit wenig Wasser mit sich führt, zu sehen und nicht selten auch zu riechen. 
Bereits die Franzosen hatten an diesem Berg Paiko größtes Interesse gezeigt – wegen der Bodenschätze, die er in sich birgt. Unter anderem angeblich auch Gold.

Vor vielen Jahren nun wurde vom Bürgermeister des kleinen Ortes Axioupoli ein Stausee gebaut, der den Bauern die Möglichkeit geben sollte, mit dem aufgefangenen Wasser ihre Felder zu gießen, die in den Sommermonaten nicht selten schlicht ausgetrocknet wären ohne diesen See.

Nun sind findige Köpfe darauf gekommen, dass das Wasser doch viel besser genutzt wäre zum Auswaschen des Gesteins bei der Ausbeutung der Bodenschätze auf dem Paiko.

Die Bevölkerung wurde gelockt mit der Versprechung, es würden beim Aufbau der Fabrik und der Förderung der Bodenschätze Arbeitsplätze geschaffen werden, die gerade in dieser Gegend hier mehr als nur rar sind – es gibt schlicht und ergreifend keine Arbeit mehr.
Außerdem mache das geförderte Gold das Volk reich, was während der schlimmen Krise sicher zur Rettung des Landes betragen könne.

Gott sei Dank war – und ist noch immer – der Widerstand der meisten Mitdenker hier groß, das Projekt „Bodenschätze Paiko“ wurde in den letzten Tagen des Jahres 2011 erst mal auf Eis gelegt. Nur auf Eis gelegt, wohlgemerkt, nicht komplett verworfen!

Doch ein Durchatmen ist den Bewohnern dieser Gegend nicht vergönnt, denn nun dreht es sich um die Bodenschätze in direkter Nähe von Kilkis.

Bevor man nun den etwas naiven Standpunkt einnimmt, die dummen Leute hier sollten sich nicht so haben, schließlich sei das Fördern von Bodenschätzen sicher wirklich die beste Lösung für Griechenland, würde ein Herauskommen aus der Krise bedeuten und den Menschen hier wieder eine Zukunft geben, sollte man sich mit dem Thema der Förderung auseinandersetzen.

Abgesehen von den mannigfaltigen Sprengungen, die riesengroße Krater in die Erde reißen, abgesehen von den Zufahrtsstraßen, die für die Transport-LKWs gebaut werden müssen, also abgesehen davon, dass beim Fördern der Bodenschätze die Natur schon rein äußerlich, also fürs Auge, komplett zerstört wird, sind auf jeden Fall die zum Auswaschen des Gesteins notwendigen Chemikalien zu berücksichtigen.

Um sich ein Bild davon zu machen, wie verheerend sich diese Chemikalien auf die Umwelt auswirken, braucht nur ein kleiner Blick nach Chalkidiki geworfen zu werden, wo im Umkreis der Dörfer Megali Panajia, Palaiochori, Erisos, Neochori, Stratoniki und anderer, die auf dem Berg Kakaro liegen, bereits fleißig gearbeitet wurde.
Nebenbei sei angemerkt, dass sich im Gebiet um diese Dörfer sich auch der bekannte Berg Athos, der durch seine teilweise über 1.000 Jahre alten Klöster zu den UNESCO-Weltkulturerben gehört, und der Berg Cholomontos, der unter dem Schutz das Naturschutzprogramm NATURA 2000 steht, befinden.
Hier ein griechischer Dokumentar-Film der Bewegung Antigold Greece (die Homepage ist leider ausschließlich griechisch, aber die Fotos und Videos sprechen für sich), der Aufschluss über die Situation gibt (ihn mit deutschen Untertiteln zu versehen, ist gerade in Arbeit):



video
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Am schlimmsten sind die Auswirkungen, die die zum Auslaugen von Gold notwenige Chemikalie CYAN (Cyanwasserstoff) hat – auf die Umwelt, das Grundwasser und letztendlich auf die am Ende dieser Kette stehenden Tiere und Menschen.

Die EU-Gefahrenstoffkennzeichnung für diese Chemikalie ist wie folgt:
HOCHENTZÜNDLICH

SEHR GIFTIG

UMWELTGEFÄHRLICH








Es ist jedoch nichts Neues, dass in Anbetracht der zu erwartenden Gewinne die Zerstörung der Umwelt, und damit logischerweise auch der Lebensqualität für die Menschen, einen eher ignorierbarer Faktor darstellt – wohlgemerkt nur für die Profiteure, zu denen erfahrungsgemäß nicht das Volk zählt.
Und die Frage danach, wie die nächsten Generationen mit den Folgen dieses Umweltverbrechens leben sollen, spielt natürlich auch keine Rolle. Dass die jungen Menschen Griechenlands beruflich keinerlei Zukunftsperspektive mehr haben, reicht offensichtlich noch nicht aus, nun müssen sie sich bereits im Jugendlichenalter mit der Tatsache vertraut machen, dass ihnen das Leben nicht nur im übertragenen Sinne komplett vergiftet wird.

Der Widerstand ist da, aber in Anbetracht der ständigen Kürzungen nicht allzu groß. Die Menschen schein wie paralysiert zu sein, sie sind zu sehr mit der Frage beschäftigt, was und ob sie morgen noch arbeiten werden und wie sie an irgendeine Arbeit herankommen könnten, da ist kaum mehr Raum in den Gedankengängen für ein Aufstehen gegen den „Ausverkauf und die Vergewaltigung“ des Bodens in und um ihre Dörfer.

Wer jedoch noch immer einigermaßen über die Runden kommt, der stellt sich die Frage, wer den Aufbau der Förderfabriken eigentlich tatsächlich finanziert, schließlich balanciert Griechenland ja ständig am Rande des Bankrotts.

Investorennamen zu finden, gestaltet sich als schwierig bis unmöglich, Fragen dazu werden mit einem von einem freundlichen Lächeln begleiteten beantwortet, doch niemand, der sich mit der Materie auseinandersetzt, kann sich vorstellen, dass die Förderung der Bodenschätze Griechenlands ein rein griechisches Projekt sein könnten.
Da bei Untersuchungen des Bodens laut mehrerer Arbeiter plötzlich mit einem Geigerzähler gearbeitet worden ist, dessen Nadel an manchen Probebohrungsstellen heftig ausschlug und damit klar nachwies, dass hier große Mengen an Uran sein müssen, drängt sich der Gedanke auf, dass das zu schürfende Gold vielleicht eher schwarz als goldfarben sein könnte. Und da Griechenland keine Uran verarbeitende Industrie hat, kursieren hier Spekulationen darüber, dass möglicherweise doch mehr genau die ausländischen Investoren hier tätig zu werden beginnen, die das „Pleiteland“ insbesondere laut der Troika und den führenden Köpfen der EU-Regierung so dringend benötige, um wieder auf die Beine zu kommen und endlich seine Gläubiger bedienen zu können.

Es sollen an dieser Stelle sicherlich keine weiteren „Verschwörungstheorien“ um die ausländischen Interessen an Griechenland gezüchtet werden, doch nur wenige, logische Gedankengänge führen jeden „Denkpraktiker“ zwingend in genau eine Richtung – in eine Richtung, die erschreckende Rückschlüsse notwendig macht.
Sollte das Ausbeuten der griechischen Erde gemäß der Pläne der Investoren tatsächlich stattfinden, dann wird man schon bald erfahren dürfen, ob es sich bei diesen Rückschlüssen tatsächlich nur um Fehlgedanken, oder aber um eine traurige Realität handelt. Und sollte das Zweitgenannte der Fall sein, dann ist es für jeglichen Widerstand bereits viel zu spät …

Ein bei einer Aktion in Kilkis vor Ort gedrehtes Video, bei dem klar wird, dass zwar Widerstand herrscht, über den auch im griechischen Fernsehsender "ert3" berichtet worden ist, sich die Anzahl der Teilnehmenden jedoch aus o.g. Gründen in Grenzen hält,  wird in diesen Tagen noch hinzugefügt. 
Interessant ist dabei auch ein Vergleich des im Fernsehen gezeigten Videos, das dem Zuschauer die Teilnahme vieler Demonstranten suggeriert, mit dem privat gedrehten.

1 Kommentar:

  1. Από πού είστε και ξέρετε τόσα πολλά για την περιοχή της Αξιούπολης?
    Von wo Sie sind und Sie wissen so viel über die Gegend von Axioupolis;

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