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Mittwoch, 14. März 2012

Ein Lösungsweg zum (Über-)Leben

Es hatte sehr lange gedauert, bis man in Griechenland angefangen hatte, Altersheime einzurichten. Es bestand ganz einfach kein Bedarf, denn die Griechen blieben zumeist bis zu ihrem Tod in ihren Häusern, waren keine Kinder oder andere Verwandte in der Nähe, so kümmerte sich die Nachbarschaft, wenn es mal nötig war. Zumeist ist das auch heute noch so, es existieren vergleichsweise nur wenige Altersheime und das Bild von alten Menschen, die an warmen Tagen auf Bänken oder Stühlen vor ihren Häusern sitzen, ist typisch und prägend für Griechenland.

In einigen größeren Ortschaften gibt es Altersheime, die jedoch in Organisation und Aufbau nicht unbedingt mit dem vergleichbar sein müssen, was man z.B. von Deutschland gewöhnt ist. 
Hier leben Menschen, deren Kinder weiter entfernt leben, und die sich zumeist selbst besser damit fühlen, wenn sie betreut wohnen können, insbesondere in großen Städten, wo keine Nachbarschaft in dem Sinne mehr existiert,. Hier, wo Anonymität den Alltag bestimmt, ziehen es viele alte Menschen vor, ihren Lebensabend in einem Altersheim zu verbringen.

In der Regel reicht auch die Rente der alten Menschen aus, um ihren Aufenthalt dort zu finanzieren – und die sehen nun viele Griechen als Lösungsweg zum (Über-)Leben:

Es ist ein Trend geworden, dass man seine Eltern oder andere, nahe Verwandte aus dem Altersheim zu sich nach Hause holt, und sich selbst um sie kümmert – um deren in den meisten Fällen ohnehin schon schmale Rente in den eigenen Haushalt fließen lassen zu können.

Viel ist es zumeist nicht, denn so mancher Alter, der sein Leben lang gearbeitet und in die Sozialversicherungskasse eingezahlt hat, hat durch die Kürzungen nur noch ein paar Hundert Euro. Besonders die Versicherung für Selbstständige war immer teuer und ist es heute noch, durch ihr Staffelsystem bietet sie jedoch Betreibern von Kleinstunternehmen den schlechtesten Versicherungsschutz und die niedrigste Rente (Informationen dazu im Artikel „Schwarzarbeit in Griechenland“ vom 16.10.2011).
Dieser Minibetrag jedoch sichert nun vielen Arbeitslosen das tägliche (Über-)Leben, und seien es auch nur 300 bis 500 Euro im Monat, ein Betrag übrigens, der zwischenzeitlich durchaus als normale Rente gilt.

Da sich die Arbeitslosigkeit in Griechenland zum Normalzustand zu entwickeln scheint, das geringe Arbeitslosengeld jedoch nur für die Dauer von 12 Monaten gezahlt wird – was danach geschieht, das findet im „Sozialsystem“ des griechischen Staates keinerlei Berücksichtigung  – sind besonders diejenigen unter den Griechen, die keine Arbeit und auch keine Aussicht auf irgendeine Anstellung mehr haben, geneigt, ihre alten Eltern zu sich nach Hause zu nehmen.


Für wie lange das funktionieren mag, das sei dahingestellt, denn es sind schon wieder neue Kürzungen sowohl des Arbeitslosengeldes wie auch der Renten zu erwarten … 

Kommentare:

  1. Diese EU besteht aus angeblichen christlichen Ländern.

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  2. "Die Alternativlosigkeit der Politiker macht die Ideen Silvio Gesells immer moderner" frei nach Heinz Nixdorf

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