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Dienstag, 10. April 2012

Der Energiepass für Immobilien und die logische Konsequenz daraus

Seit dem 1. Januar 2012 muss jeder Hauseigentümer für seine Immobilie einen Energiepass besitzen, um vermieten zu können. Das hört sich in Anbetracht von Energiesparmaßnahmen sehr Umwelt freundlich und vor allen Dingen zeitgemäß an. Aber so einfach ist das alles durchaus nicht, wenn man genau hinsieht. 

 

 

Jeder kennt die typischen, griechischen Häuser, die viel des Charakters des Landes ausmachen.                                                

Flachdach, große Veranda, schlicht und einfach
gebaut, und schon beim ersten Blick drängt sich
ein altbekannter Werbeslogan auf: Quadratisch,
praktisch, gut. Und so sind sie auch irgendwie,
die zumeist über 25 Jahre alten Einfamilienhäuser,
die nur über ein Stockwerk verfügen. 

Zugegebenermaßen verlieren sie nicht wenig Wärme durch das aus Beton bestehende Flachdach, in diesem Winter haben in Anbetracht des hohen Heizölpreises auch viele Eigentümer sowie Mieter zusätzlich zur Zentral- heizung einen Holzofen angeschafft.

Nun soll also für alle Immobilien ein Energie- pass ausgestellt werden, das neue Gesetz lautet dahingehend, dass ohne diesen Energiepass eine Vermietung nicht mehr möglich sei. Kontrolliert wird das durch die Finanzämter (!!!), bei denen Vermieter ab dem 1. Januar nicht mehr nur eine Kopie Mietvertrages einreichen müssen, sondern auch den Energiepass des Objektes.
Im Klartext bedeutet das, dass seit Anfang des Jahres kein Mieter mehr dazu berechtigt ist, einen Mietvertrag zu unterschreiben, wenn ihm vom Eigentümer der Energiepass nicht vorgelegt worden ist.

Mit etwa 100qm Wohnfläche und 900qm Grund 
liegt der Mietpreis dieses Hauses bei 260 Euro 
kalt/Monat, was in Griechenland als teuer erachtet 
wird. Es entspricht der niedrigsten Kategorie 
in Bezug auf  Wärmedämmung, Isolierungsarbeiten 
würden also sehr teuer kommen. Und wie soll das 
bei dieser Monatsmiete, die ohnehin schon als hoch 
empfunden wird, finanzierbar sein?
In diesem Pass wird die Isolierung des Objekts erfasst, die Art der Fenster – also, in wie weit Fenster Wärme dämmend sind – ob Flachdach oder ein normales Dach, etc., und aus allen diesen Daten ergibt sich dann die „Energiekategorie“ des Objekts. Das alles ist (angeblich) zum Schutz des Mieters, denn je weniger Energie sparend das Mietobjekt ist, desto geringer muss dann auch der Mietpreis sein.



Die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sind geradezu erdrückend:
Besonders momentan, wo niemand in Griechenland weiß, welche neue Erhöhungen der Lebenshaltungskosten und Steuern, und im Gegenzug dazu Lohn-, Gehalts- und auch Rentenkürzungen zu erwarten sind, kann kein Kostas Normalverbraucher das Geld für Isolierungsarbeiten an einem Haus aufbringen.
Auch ist die Bauweise in Griechenland bekannter weise gesetzlich so geregelt, dass wegen der Erdbebengefahr viele Betonstützen und -wände eingebaut werden müssen, Beton jedoch speichert die Außentemperatur, was im Winter eine negative Auswirkung auf den Energiesparwert der Häuser hat.
Die Außenwände selbst der Neubauten sind gemäß der Hausbautradition Griechenlands weitaus dünner als die in Deutschland, sie zu isolieren würde Kosten verursachen, die besonders im Moment kaum jemand tragen kann.
Auch, auf einem Flachdach ein für Zentraleuropa „normales“, besser isolierendes Dach zu errichten, ist eine Investition, die viele Hauseigentümer gerne machen würden, wofür ihnen jedoch besonders jetzt schlicht und ergreifend das nötige Kleingeld fehlt. Man darf ja nicht vergessen, dass nicht nur die Steuern für Einnahmen aus Vermietungen angehoben worden sind, sondern auch die „Sondersteuer für Immobilien“ zu entrichten ist. Und auch, dass nicht wenige Eigentümer ihren Mietern die monatliche Miete um bis zu 30% reduziert haben, weil eben auch die Löhne und Gehälter gekürzt und im Gegenzug dazu die Lebenshaltungskosten angehoben worden sind, sollte bedacht werden.  


Alle vorausgegangenen, logischen und leicht überprüfbaren Überlegungen lassen nur einen Schluss zu, nämlich, dass das Eigentum einer Immobilie für Kostas Normalverbraucher nicht mehr als echte Kapitalanlage gesehen werden kann. Die zu entrichtenden Steuern stehen immer niedrigeren Mieteinnahmen gegenüber, nicht wenige Mieter sind bereits viele Monatsmieten schuldig und mit diesen "Nicht-Einnahmen" kann ein Eigentümer auch keine der Renovierungsarbeiten finanzieren.
Das ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch denjenigen bekannt, die für dieses Gesetz gestimmt haben, das noch dazu zu einem Zeitpunkt, an dem Kostas Normalverbraucher weiß Gott andere Sorgen hat als an seinem Haus Energie sparende Arbeiten vornehmen zu lassen.

Persönliches Fazit aller dieser Überlegungen:
Dieses Gesetz ist nur ein weiterer Schritt, Kostas Normalverbraucher in eine immer noch ausweglosere Position abzudrängen, ihn unter Umständen sogar in eine Situation der Illegalität zu katapultieren. Denn, wer den Energiepass nicht hat, wird deshalb nicht automatisch auch keine Mieter haben, Kostas Normalverbraucher nämlich sieht seine einzige Chance darin, die Vermietung des Objektes einfach nicht mehr beim Finanzamt anzumelden. Und wenn die Miete entsprechend niedrig, also finanzierbar ist, dann wird kein potentieller Mieter ein Problem damit haben, dass kein schriftlicher Mietvertrag abgeschlossen wird ...

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