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Samstag, 19. Mai 2012

Ein Krankenhaus in Hellas - Teil 3


Λεφτά υπάρχουν“ (Es gibt Geld), hatte Georgios Papandreou mehrfach öffentlich erklärt – und das scheint tatsächlich zu stimmen.

 

Das Ansehen des griechischen Volkes im Ausland ist doch sehr geprägt von dem, was in Fernsehen und Zeitungen berichtet wird, wobei bei der Berichterstattung natürlich oftmals nicht allzu sehr ins Detail gegangen werden kann, schließlich hat jedes Land auch seine eigenen Probleme, über welche berichtet zu werden wichtig ist. Natürlich ist auch als wahrscheinlich bis sicher anzunehmen, dass (fast) jeder Kostas Normalverbraucher alle Möglichkeiten auszuschöpfen bereit wäre oder ist, die ihm Vorteile verschaffen könnten, das jedoch trifft auf den Normalverbraucher jedes Volkes zu und ist nicht unbedingt ein rein „griechischer Wesenszug“.  

In jedem Fall wäre es jedoch ratsam, erst einmal grundsätzlich Politiker und Politik eines Landes nicht mit den MENSCHEN, also den Bewohnern eines Landes, gleichzustellen, und was Otto, Pedro, John, … und Kostas Normalverbraucher an Möglichkeiten nutzen, welche Wege ihm dabei offen stehen, das ist sicherlich nichts im Vergleich zu dem, was in den „Etagen des politischen und wirtschaftlichen Managements“ so alles für Möglichkeiten genutzt werden, welche Möglichkeiten sich dort erst einmal eröffnet werden.



Dr. Leta Zotaki, Leiterin der Radiologischen Abteilung im Krankenhaus von Kilkis, Mitglied der Generalversammlung der Arbeiter/innen und Präsidentin der E.N.I.K. (Vereinigung der Krankenhausärzte und -ärztinnen von  Kilkis), war meiner Bitte, mir ein paar Minuten ihrer Zeit zu schenken um ein paar Fragen zu beantworten, gerne nachgekommen. Möglicherweise kann das kurze Interview dabei helfen, sich ein besseres Bild machen zu können von dem, was in Griechenland schon immer geschehen ist, und woran auch die Kontrolle durch eine Troika bislang ganz offensichtlich nichts geändert hat, außer, dass Kostas Normalverbraucher mehr als je zuvor seiner grundlegenden Rechte beraubt zu werden scheint und damit in die vollkommende Armut abzurutschen droht.


Ein Hinweis zu dem Video:
Aus verschiedenen Gründen war es leider nicht möglich, das Gespräch auch optisch aufzunehmen, die Gestaltung des dem Gespräch unterlegten Videos verfolgt jedoch nicht das Ziel, die Überlegungen der Zuhörer/-schauer in eine bestimmte Richtung zu dirigieren, sie soll lediglich aufzeigen, dass es – wie immer – in keinem Fall um den MENSCHEN geht, sondern um Geld. Die Übersetzung erfolgte nach bestem Wissen und Gewissen, sollten Übersetzungsfehler auffallen, so wird ein entsprechender Hinweis dankend angenommen sowie ggf. eine entsprechende Korrektur vorgenommen.


video





Persönlicher Kommentar:

Die in den Berichten und Artikeln in diesem Blog immer wiederkehrende Frage ist die, warum offensichtlich ausschließlich Kostas Normalverbraucher zur „Rettung des Landes“ herangezogen werden muss. Die Forderungen der EU-Regierung im Allgemeinen und der Troika in Speziellen, betreffen stets nur ihn, die Frage nach der möglichen Veruntreuung öffentlicher sowie EU-Gelder jedoch scheint noch immer nicht praktisch in die Pläne zur „Rettung Griechenlands“ einzufließen, hier scheint man sich lediglich in theoretischen Überlegungen und Diskussionen zu verlieren, wohingegen die Spar- und Überprüfungspläne jedoch, die Kostas Normalverbraucher betreffen, offensichtlich umgehend umgesetzt werden. So sollen zum Beispiel in einem Gesundheitssystem, das genau genommen gar nicht existiert, Einsparungen vorgenommen werden, während die offensichtliche Veruntreuung von Geldern schlicht ignoriert zu werden scheint, in jedem Fall aber finden entsprechende, diesbezügliche Nachforschungen, wenn überhaupt, dann nur sehr schleppend statt.

Möglicherweise hört sich die unten ausgeführte Sicht der Dinge ein wenig naiv an, doch es drängt sich bei genauerem Nachdenken doch folgender Gedanke auf:
Berücksichtigt man, dass es sich bei diesem Krankenhaus sicherlich nicht um einen Einzelfall handelt, dann könnten sich rein rechnerisch Beträge in Milliardenhöhe ergeben, die zwar fließen, jedoch irgendwo „versickern“. Beträge, die, würden sie sich nicht „in Luft auflösen“ und statt dessen in das Land investiert werden (wozu sie ja eigentlich auch bereitgestellt werden!), nicht nur die extrem harten Sparpläne unnötig machen, sondern dem Land zudem unter Umständen eine wirtschaftlich zumindest stabilere und gesündere Basis geben könnten, wodurch es sich möglicherweise durch nachfolgende, vernünftige politische Entscheidungen in eine bessere Situation führen ließe.
In Anbetracht dieser Gedankengänge erscheint der von Georgios Papandreou mehrfach gemachte Ausspruch in einem völlig anderen Licht: „Λεφτά υπάρχουν“ (Es gibt Geld), und „Κυρίες και Κύριοι, γνωρίζουμε ότι χρήματα υπήρχαν, και πολλά“ (Meine Damen und Herren, wir wissen, dass es Geld gab, und zwar viel), so hatte er öffentlich erklärt.

Wie gesagt, es mag sich sehr naiv anhören – die Frage jedoch ist möglicherweise nicht, wie kompliziert und analysebedürftig die finanzielle Situation in Griechenland sich gestaltet, vielleicht sollte man sich viel eher fragen, wie einfach alle Probleme zu lösen wären, wenn man das Übel tatsächlich einmal an der Wurzel zu packen bereit wäre.
Und: Ist diese Wurzel denn tatsächlich „Das Leben der Griechen in Saus und Braus“, oder könnte es möglich sein, dass es nicht so sehr gilt, Kostas Normalverbraucher auf Schritt und Tritt zu kontrollieren und ihn zum Sparen an allen Ecken und Enden zu zwingen - womit man die Wirtschaft des Landes ja ganz offensichtlich nur noch schneller in den endgültigen Ruin treibt - und sich statt dessen ein bisschen mehr um Projekte zu kümmern, die in die Millionen- ja, vielleicht sogar Milliardenbeträge gehen?

An dieser Stelle sei mir erlaubt, zum Abschluss eine in Griechenland kursierende Anekdote aufzuschreiben, die sicherlich ein Lächeln entringen kann, wenn auch ein etwas bitteres:

Ein deutscher und ein griechischer Bauunternehmer und Architekt, beide auch Abgeordnete im Parlament, treffen sich zum Erfahrungsaustausch in Deutschland, im Haus des deutschen Architekten.
Der Grieche ist schwer beeindruckt: eine Villa mit 8 Zimmern auf einem Riesengrundstück, Swimmingpool, 5 wunderschöne Pferde, zwei BMWs und ein Mercedes in einer 150-qm großen Garage.
Er fragt den deutschen Kollegen: „Das ist ja fantastisch. Sag mal, wie hast du das alles finanziert?“
Der deutsche Bauunternehmer antwortet: „Siehst du das Krankenhaus und die Brücke dort hinten?“
„Klar“, antwortet der Grieche.
Der Deutsche klopft sich auf die Jackentasche und meint lächelnd: „10  Prozent“.
Schon einen Monat später besucht der Deutsche den Griechen in dessen Haus auf Santorin. Das Haus ist ein kleiner Palast mit 10 Zimmern, jeglichem Luxus, den man sich vorstellen kann, Springbrunnen, mehreren Pools, in der Garage stehen ein Ferrari, ein Jaguar, ein Rolls Royce, zwei Land Rover und einige Motorräder.
„Mein Gott! Im Vergleich zu dir bin ich ja arm!“ ruft der Deutsche aus, „Wie hast du es nur zu all´ dem gebracht?“
 „Siehst du das Krankenhaus und die Brücke dort hinten“? fragt der griechische Unternehmer und Abgeordnete.
„Wo?! Ich sehe gar nichts“, antwortet der Deutsche.
Da klopft sich der Grieche lächelnd auf die Jackentasche und meint:
„100 Prozent“.


1 Kommentar:

  1. Vermögen Privatisieren, schulden sozialisieren. das selbe system wie in deutschland wird in der gesamten union, ja in der gesamten westlichen hemisphäre zelebriert.

    DAS sind die Probleme die uns alle plagen und für die immer weniger menschen verständnis aufbringen. und doch ist alles so ungeheuer "alternativlos"
    ich stimme für "alternativlos" als unwort des jahrhunderts.

    schöner witz, habe ihn mir kopiert. musste zugegebenerweise herzlichst lachen.

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