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Mittwoch, 9. Mai 2012

Griechenland als Protektorat der EU?


Diese brillante Idee stammt von dem Chef des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Institut HWWI, Thomas Straubhaar. 


Nun, die Griechen fühlen sich ohnehin bereits als Bewohner eines Protektorats, denn die weit verbreitete Meinung ist, dass es ohnehin keine Rolle mehr spiele, wer nun letztendlich die Oberhand im Parlament gewinne, regieren werde auch weiterhin mit eiserner Hand die Troika.
Verzeihung, es ist natürlich gemeint, dass es gilt, das Land unter eine „SCHUTZherrschaft“ zu stellen, wofür die Griechen ja eigentlich dankbar sein müssten.


Genau genommen jedoch ist die Idee, Griechenland durch den Einsatz europäischer „Gesandter“ zu einem vernünftigen Sparkurs zu bewegen, durchaus nicht neu, wie Dr. Manuel Ruoff  in seinem interessanten Artikel vom 26. März 2012 unter dem Titel Deutscher „Sparmannsperg“ für Griechenland  zu berichten weiß.
Zitat:
" ... Bereits im 19. Jahrhundert wurde der Versuch unternommen, mit deutscher Ordnung, Gründlichkeit und Sparsamkeit Griechenland zu sanieren, denn schon damals war es ein „verwahrlostes Land“, wie Roswitha von Bary-Armansperg in der „Neuen Deutschen Biographie“ zu berichten weiß. An der Spitze dieses Versuchs stand Joseph Ludwig Graf von Armansperg, der ebenso wie der damalige König Griechenlands, Otto I., aus Deutschland stammte. ... "

Erreicht hat er sein Ziel jedoch offensichtlich nicht:
" ... Eine Wiederholung seines Erfolges in Bayern blieb Armansperg jedoch in Griechenland versagt, was nicht unbedingt an ihm liegen muss. Interessanterweise wurde dem Bayern wie heute der Griechenlandpolitik der Bundesregierung vorgeworfen, allzu sehr nach heimischer Schablone zu arbeiten. Karl Theodor von Heigel verweist allerdings zur Verteidigung des Deutschen darauf, dass „in diesen Jahren eine rein griechische, auf nationalen Formen beruhende Regierung gar nicht möglich war, sondern erst vorbereitet werden musste“. Die Situation in Hellas war also ähnlich wie heute. ... "


Begonnen jedoch hatte das alles lange vor dem Einsatz König Ottos I. von Griechenland (Sohn König Ludwigs I. und Kronprinz von Bayern) durch diverse, europäische Mächte, nämlich noch vor dem Griechischen Unabhängigkeitskrieg, in dem die Griechen erst nach reiflichen, offensichtlich wirtschaftlich-politisch begründeten Überlegungen dieser europäischen Mächte unterstützt worden waren.
" ... Der Philhellenismus fand auch viele Anhänger unter den europäischen Mächten. Doch wollten diese zunächst nicht ihre Beziehungen zum Osmanischen Reich gefährden. Erst als dieses immer schwächer wurde und sich der Zerfall des Osmanischen Reiches abzeichnete wurde der griechischen Freiheitskampf auch durch die europäischen Mächte unterstützt. ... "
" ... 1821 siegt die Griechische Revolution, unterstützt von der europäischen Bewegung der Philhellenen, aber auch von den imperialistischen Mächten Frankreich, Großbritannien und Russland. ... "


An dieser Stelle drängt sich der Gedanke auf, dass die heutige, „großzügige Hilfe“ aus Europa eine Wiederholung dessen sein könnte, was vor fast 200 Jahren bereits stattgefunden, jedoch nicht zum gewünschten Ziel geführt hatte, wie der bereits oben zitierte Nachrichtenträger PELAGON weiter zu berichten weiß:
" ... Doch der Einfluss der europäischen Mächte auf den neuen griechischen Staat blieb den Griechen ebenso befremdlich wie die osmanische Besatzung.  ... "



Alle Überlegungen, die auf den oben genannten Informationen beruhen könnten, seien dem geneigten Leser überlassen, der, wenn irgend möglich, dabei stets eins im Augenmerk behalten sollte:
Wir sind eben NICHT nur politischen Wesen, Wähler, Parteianhänger und Vertreter politischer Ideologien, wir sind vor allem MENSCHEN.
Und als solche sollten wir uns von Zeit zu Zeit und vor dem vorschnellen Urteilen vor Augen halten, dass es kaum jemandem noch möglich sein kann, ALLE geschichtlich-politisch-wirtschaftlichen (in welcher Reihenfolge auch immer) in ihre logischen, folgerichtigen Zusammenhänge zu stellen – wir sehen stets nur Segmente und können nur noch mehr oder weniger realitätsnahe Vermutungen anstellen.
Diese jedoch sollten zumindest unsere eigenen sein, unabhängig von Propagandaeinflüssen, die möglicherweise nur dem Ziel dienen könnten, Völker gegeneinander aufzuwiegeln, denn „Einigkeit macht stark“, woraus zu folgern ist, dass Uneinigkeit schwächt.

Und beherrschbar sowie lenkbar werden stets nur die Schwachen sein.

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