„Die Griechen heben ihr gesamtes Geld von den Banken ab und schaffen es ins Ausland“, tönt es nun schon seit Monaten durch alle Medien, verstärkt jedoch seit etwa zwei Wochen. Macht man sich die Mühe, den exakten Tag des Einzugs der neuen Phrase im Zusammenhang mit „den Griechen“ in die Medien zu finden, dann landet man beim 16. Mai 2012. Bei dem Tag, an dem eine entsprechende Erklärung von Lukas Papademos, ehemaliger Vizepräsident der Europäischen Zentralbank und griechischer Premierminister vom 10. November 2011 bis zum 16. Mai 2012, zum ersten Mal durch alle Medien zog.
Natürlich können ein paar Banken eines Landes nicht
repräsentativ für ein ganzes Land stehen, ein statistischer Wert jedoch kann
einer kleinen Recherche dennoch zukommen, die bei 12 Filialen verschiedener Banken
gemacht wurde.
Gefragt wurde, ob man sich tatsächlich so große Sorgen um
sein Erspartes zu machen hätte, und ob es ratsam sei, das eigene Geld besser
abzuheben und unter Umständen auf eine Bank ins Heimatland zu transferieren.
Bei jeder Bank lautete die Information, das vermehrte
Abheben von Sparguthaben sei sicherlich lediglich eine Panikreaktion der Kunden
auf die Nachrichten in den Medien.
Auf die besorgte Frage, ob man sich darauf wirklich verlassen
könne, schließlich sei schon seit vielen Monaten die Rede davon, dass jeder
sein Erspartes in Sicherheit bringe, wurde beruhigend geantwortet, dass verstärkt
und in auffälligem Maße und Umfang erst nach Papademos’ Erklärung Gelder von
privaten Konten abgehoben würden, dass also tatsächlich ungewöhnliches
„Abhebeverhalten“, das nicht den normalen und gewohnten Gepflogenheiten der
Mehrheit der Bankkunden entspricht, erst NACH dem 16. Mai begonnen hätte. Man
müsse sich also wirklich keine Sorgen machen, diese Panik lege sich wieder, und
das Ersparte sei bei der Bank in jedem Fall sicherer als zuhause, schließlich
gebe es ja auch immer mehr Einbrüche in Häusern.
Was war nun zuerst da, die Henne oder das Ei?
Oder anders: Haben die Medien auf das Verhalten „der
Griechen“ reagiert und entsprechend berichtet, oder aber haben „die Griechen“
auf die Berichte der Medien, sprich, die Bekanntgabe der Erklärung von
Papademos, reagiert und entsprechend gehandelt?
Es stellt sich aber noch eine andere Frage:
Die Nachfrage bei den Bankfilialen war eine reine Farce, da
ich auf keiner der kontaktierten Banken tatsächlich ein Guthaben habe. Im
Klartext: Da ist kein Plus auf irgendeinem Konto, um das man sich Sorgen machen
müsste, da wäre nichts zum Abheben oder Transferieren, auch nichts, um es unter
die Matratze zu stopfen, denn von dem, was monatlich (noch) reinkommt, bleibt
nichts zum Sparen übrig. Genau genommen sind die meisten Kostas
Normalverbraucher froh, wenn sie Monat für Monat noch über die Runden kommen.
Zwei Zitate aus der unten verlinkten Reportage des ZDF vom
24.05.2012, mit dem Titel
Griechenland kommt bereits ohne Euro aus
könnten auch für ein bisschen Verwirrung sorgen, wenn man sie sich die Mühe macht, mehr als oberflächlich zuzuschauen und genau hinzuhören, denn auf der einen Seite
heißt es
„ … Derweil schaffen die Griechen Hunderte von Millionen ins Ausland oder unters Kopfkissen. …“,
während der Bericht auf der anderen Seite mit dem Kommentar endet:
„… Und so hoffen die Griechen, dass Europa sie weiter stützt. Hier in Volos glauben sie daran allerdings nicht mehr so richtig. Ihr Motto: Irgendwie mit der Krise umgehen. Etwas Anderes bleibt ihnen nicht übrig“.
Von welchen „die Griechen“ da wohl dieses Mal jeweils die
Rede ist?
Persönlicher Kommentar:
Vielleicht wäre es langsam an der Zeit, im Sinne der ehrlichen,
objektiven, tatsächlich informativen und professionellen Berichterstattung
endlich einmal mit Pauschalisierungen aufzuhören und das Differenzieren von
Tatsachen, Bevölkerungsgruppen, sozialen Schichten etc. zu erlernen und zu
praktizieren.
Des Weiteren ist ausdrücklich klarzustellen, dass die Anzahl
derjeniger Griechen, die tatsächlich große Beträge auf griechischen Bankkonten haben, eher
gering ist.
Die wirklich nennenswerten Beträge sind schon immer von
Griechenland ins Ausland transferiert worden, wogegen, nebenbei angemerkt, niemals ernsthaft
vorgegangen worden ist. Hierzu jedoch ist klar festzustellen, dass auch bestimmte
Bevölkerungsschichten Deutschlands und anderer Länder die finanzielle
Bequemlichkeit hatten, so viel Geld ihr Eigen nennen zu können, dass sie es
lieber nach Liechtenstein, in die Schweiz und in andere, steuergünstigere
Länder gebracht haben, als es im Heimatland zu versteuern. Das ist kein „Die Griechen“-Phänomen und vor allen Dingen betrifft
es sicherlich nicht Kostas Normalverbraucher, so wie es auch niemals Otto,
John, José oder sonst einen Normalverbraucher betroffen hat.
Dass aber nun auch die 75-jährige Oma, der Angestellte, der Arbeiter und,
ja, auch der kleine (!) Beamte (wozu in Griechenland u.a. auch Lehrer zählen, die man nicht als "überflüssig" bezeichnen kann) sich genötigt sieht, seine paar Hundert oder
vielleicht sogar Tausend Euro besser mal in Sicherheit zu schaffen – solange er
sie noch hat! – sollte auf mehr Verständnis stoßen.
Warum auch sollte es Kostas Normalverbraucher sein, der sein
im Vergleich zu den wahren großen Beträgen mickriges Sparguthaben verlieren
muss, warum sollte nicht auch er versuchen zu retten, was zu retten ist?!
Hätte ich auch nur einen Cent auf einer griechischen Bank,
so würde ich ihn spätestens jetzt nach Deutschland bringen, auch wenn er dann
nicht mehr darstellen würde als einen Notgroschen – im wahrsten Sinne des
Wortes.
Hallo Maritta, Deine "über mich" info, kann ich ohne wenn und aber unterschreiben.
AntwortenLöschenVor 2 Wochen hiess es mal, das 700Mio. abgehoben wurden,jetzt sind es über 1 Mrd. OK, 1000 Mio geteilt duch 11Mio Bürger = knapp 100€ pro Person.
Wenn also ein Familienvater mit 3 Kindern, 500€ auf einmal abhebt, bekommen die Banken Angst und wird international als Run bezeichnet.
Glaube eher da will jemand den Run produzieren.
GGF damit Griechenland die EU Hilfen annehmen muss--sprich, die Zinsen bei den Auslandsbanken weiter bedient.
Die Rückkehr zur Drachme wäre nicht weiter schlimm--wenn 1 Drachme = 1€ ist.
Das das funktioniert haben wir an Argentinien und Island gesehen, immer noch besser als IWF ausgepresst zu werden, ohne die geringste Perspektive, jemals auch 1€ der Schulden, begleichen zu können. Ebend Sklaverei.
Wie Du schon sagst: Der Euro dient nur der Elite.
Und der EU-Stasi, die alle Nationalitäten in Europa abschaffen will, um sie leichter zu versklaven.
Ich bin übrigens Deutscher