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Montag, 28. Mai 2012

Was war eigentlich zuerst da, die Henne oder das Ei?


„Die Griechen heben ihr gesamtes Geld von den Banken ab und schaffen es ins Ausland“, tönt es nun schon seit Monaten durch alle Medien, verstärkt jedoch seit etwa zwei Wochen. Macht man sich die Mühe, den exakten Tag des Einzugs der neuen Phrase im Zusammenhang mit „den Griechen“ in die Medien zu finden, dann landet man beim 16. Mai 2012. Bei dem Tag, an dem eine entsprechende Erklärung von Lukas Papademos, ehemaliger Vizepräsident der Europäischen Zentralbank und griechischer Premierminister vom 10. November 2011 bis zum 16. Mai 2012, zum ersten Mal durch alle Medien zog.

 

Natürlich können ein paar Banken eines Landes nicht repräsentativ für ein ganzes Land stehen, ein statistischer Wert jedoch kann einer kleinen Recherche dennoch zukommen, die bei 12 Filialen verschiedener Banken gemacht wurde.
Gefragt wurde, ob man sich tatsächlich so große Sorgen um sein Erspartes zu machen hätte, und ob es ratsam sei, das eigene Geld besser abzuheben und unter Umständen auf eine Bank ins Heimatland zu transferieren.
Bei jeder Bank lautete die Information, das vermehrte Abheben von Sparguthaben sei sicherlich lediglich eine Panikreaktion der Kunden auf die Nachrichten in den Medien.

Auf die besorgte Frage, ob man sich darauf wirklich verlassen könne, schließlich sei schon seit vielen Monaten die Rede davon, dass jeder sein Erspartes in Sicherheit bringe, wurde beruhigend geantwortet, dass verstärkt und in auffälligem Maße und Umfang erst nach Papademos’ Erklärung Gelder von privaten Konten abgehoben würden, dass also tatsächlich ungewöhnliches „Abhebeverhalten“, das nicht den normalen und gewohnten Gepflogenheiten der Mehrheit der Bankkunden entspricht, erst NACH dem 16. Mai begonnen hätte. Man müsse sich also wirklich keine Sorgen machen, diese Panik lege sich wieder, und das Ersparte sei bei der Bank in jedem Fall sicherer als zuhause, schließlich gebe es ja auch immer mehr Einbrüche in Häusern.

Was war nun zuerst da, die Henne oder das Ei?
Oder anders: Haben die Medien auf das Verhalten „der Griechen“ reagiert und entsprechend berichtet, oder aber haben „die Griechen“ auf die Berichte der Medien, sprich, die Bekanntgabe der Erklärung von Papademos, reagiert und entsprechend gehandelt?

Es stellt sich aber noch eine andere Frage:
Die Nachfrage bei den Bankfilialen war eine reine Farce, da ich auf keiner der kontaktierten Banken tatsächlich ein Guthaben habe. Im Klartext: Da ist kein Plus auf irgendeinem Konto, um das man sich Sorgen machen müsste, da wäre nichts zum Abheben oder Transferieren, auch nichts, um es unter die Matratze zu stopfen, denn von dem, was monatlich (noch) reinkommt, bleibt nichts zum Sparen übrig. Genau genommen sind die meisten Kostas Normalverbraucher froh, wenn sie Monat für Monat noch über die Runden kommen.

Zwei Zitate aus der unten verlinkten Reportage des ZDF vom 24.05.2012, mit dem Titel
Griechenland kommt bereits ohne Euro aus 
könnten auch für ein bisschen Verwirrung sorgen, wenn man sie sich die Mühe macht, mehr als oberflächlich zuzuschauen und genau hinzuhören, denn auf der einen Seite heißt es
„ … Derweil schaffen die Griechen Hunderte von Millionen ins Ausland oder unters Kopfkissen. …“,
während der Bericht auf der anderen Seite mit dem Kommentar endet:
„… Und so hoffen die Griechen, dass Europa sie weiter stützt. Hier in Volos glauben sie daran allerdings nicht mehr so richtig. Ihr Motto: Irgendwie mit der Krise umgehen. Etwas Anderes bleibt ihnen nicht übrig“.


Von welchen „die Griechen“ da wohl dieses Mal jeweils die Rede ist?


Persönlicher Kommentar:
Vielleicht wäre es langsam an der Zeit, im Sinne der ehrlichen, objektiven, tatsächlich informativen und professionellen Berichterstattung endlich einmal mit Pauschalisierungen aufzuhören und das Differenzieren von Tatsachen, Bevölkerungsgruppen, sozialen Schichten etc. zu erlernen und zu praktizieren.
Des Weiteren ist ausdrücklich klarzustellen, dass die Anzahl derjeniger Griechen, die tatsächlich große Beträge auf griechischen Bankkonten haben, eher gering ist.
Die wirklich nennenswerten Beträge sind schon immer von Griechenland ins Ausland transferiert worden, wogegen, nebenbei angemerkt, niemals ernsthaft vorgegangen worden ist. Hierzu jedoch ist klar festzustellen, dass auch bestimmte Bevölkerungsschichten Deutschlands und anderer Länder die finanzielle Bequemlichkeit hatten, so viel Geld ihr Eigen nennen zu können, dass sie es lieber nach Liechtenstein, in die Schweiz und in andere, steuergünstigere Länder gebracht haben, als es im Heimatland zu versteuern. Das ist kein „Die Griechen“-Phänomen und vor allen Dingen betrifft es sicherlich nicht Kostas Normalverbraucher, so wie es auch niemals Otto, John, José oder sonst einen Normalverbraucher betroffen hat.
Dass aber nun auch die 75-jährige Oma, der Angestellte, der Arbeiter und, ja, auch der kleine (!) Beamte (wozu in Griechenland u.a. auch Lehrer zählen, die man nicht als "überflüssig" bezeichnen kann) sich genötigt sieht, seine paar Hundert oder vielleicht sogar Tausend Euro besser mal in Sicherheit zu schaffen – solange er sie noch hat! – sollte auf mehr Verständnis stoßen.
Warum auch sollte es Kostas Normalverbraucher sein, der sein im Vergleich zu den wahren großen Beträgen mickriges Sparguthaben verlieren muss, warum sollte nicht auch er versuchen zu retten, was zu retten ist?!
Hätte ich auch nur einen Cent auf einer griechischen Bank, so würde ich ihn spätestens jetzt nach Deutschland bringen, auch wenn er dann nicht mehr darstellen würde als einen Notgroschen – im wahrsten Sinne des Wortes.


1 Kommentar:

  1. Hallo Maritta, Deine "über mich" info, kann ich ohne wenn und aber unterschreiben.

    Vor 2 Wochen hiess es mal, das 700Mio. abgehoben wurden,jetzt sind es über 1 Mrd. OK, 1000 Mio geteilt duch 11Mio Bürger = knapp 100€ pro Person.
    Wenn also ein Familienvater mit 3 Kindern, 500€ auf einmal abhebt, bekommen die Banken Angst und wird international als Run bezeichnet.

    Glaube eher da will jemand den Run produzieren.
    GGF damit Griechenland die EU Hilfen annehmen muss--sprich, die Zinsen bei den Auslandsbanken weiter bedient.
    Die Rückkehr zur Drachme wäre nicht weiter schlimm--wenn 1 Drachme = 1€ ist.
    Das das funktioniert haben wir an Argentinien und Island gesehen, immer noch besser als IWF ausgepresst zu werden, ohne die geringste Perspektive, jemals auch 1€ der Schulden, begleichen zu können. Ebend Sklaverei.

    Wie Du schon sagst: Der Euro dient nur der Elite.
    Und der EU-Stasi, die alle Nationalitäten in Europa abschaffen will, um sie leichter zu versklaven.

    Ich bin übrigens Deutscher

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