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Sonntag, 9. September 2012

Die Griechen demonstrieren schon wieder ...

Schon wieder ist dieses Volk auf der Straße, schon wieder demonstrieren diese Griechen, schon wieder begehren sie auf gegen Sparmaßnahmen, die nun einmal notwendig sind, um "das Land zu retten".

 

 

Ungefähr so lesen sich die neuesten Informationen aus dem Pleiteland, und einmal mehr implizieren sie, dass die Menschen hier nichts anderes zu tun hätten, als dagegen aufzubegehren, dass sie nun die Rechnung für ihre eigenen Steuerhinterziehungen präsentiert bekommen.

Schön wäre es, wenn es so einfach wäre, denn dann wäre das Problem Griechenlands ganz elegant zu lösen: Man fasse sich die Steuerhinterzieher, die ja logischerweise über durch den Steuerbetrug erwirtschaftetes Kapital verfügen müssen, und bitte sie zur Kasse. Sollten sie ihr Geld ins Ausland verbracht haben, so würde ein von der Troika empfohlenes Gesetz, das ihr Kapital angreifbar macht für die griechischen Finanzämter, genügen, um die Forderungen eintreiben zu können.

Warum aber geschieht das nicht?
Warum wird stattdessen Kostas Normalverbraucher der Lohn gesenkt, sein Arbeitsplatz "weggespart", seine Rente gekürzt?
Warum wird stattdessen das ohnehin marode Gesundheitssystem "kaputtgespart", sodass es kranken MENSCHEN jegliche ärztliche Versorgung unmöglich machen wird.
Warum werden die Zuschüsse für Schulen so weit reduziert, dass zu befürchten ist, dass in diesem Winter kaum Geld für Heizöl zur Verfügung stehen wird und die Stromrechnungen (weiterhin)  unbezahlt bleiben werden.

Thema SCHULEN:

In jedem Jahr hatte die Regierung dem Kultusministerium aus dem Haushaltsetat Millionen von Euro zur Verfügung gestellt, damit in ausgewählten Schulen diverse Projekte verwirklicht werden konnten, dass so genannte "Pilotprogramme" durchgeführt werden konnten.
So gibt es hier am Ort ein Lyzeum, das über ein beachtlich gut ausgestattetes Physik- und Chemielabor verfügen könnte, wenn sich mal jemand die Mühe gemacht hätte, die gelieferten Mikroskope, Reagenzgläser etc. auszupacken, das Labor einzurichten und Lehrstunden zu planen, die sicherlich eine Bereicherung im täglichen, theoretischen Unterricht gewesen wären.

Leider aber stehen die teuren Gerätschaften zum Teil bereits seit Jahren noch immer original verpackt in Kartons in irgendwelchen Abstellräumen oder Klassenzimmern herum, teuer bezahlt und unverständlicherweise ungenutzt.

Das Thema "Pilotprogramme" hat Griechenland weit bereits sicherlich Millionen von Euro gekostet, es ist irgendwann einmal von einem gut bezahlten Beamten im Kultuministerium geplant worden, für eine Durchführung jedoch ist nie gesorgt worden.
Die Rektoren zeigen sich zumeist völlig überfordert, wenn es darum geht, die Lehrerschaft zur Planung und Durchführung derartiger Projekte zu bewegen, was jedoch kein großes Wunder ist, da sie selten auf viele Jahre gesehen ihre Stellung innehaben. Kommt eine Bewerbung für den Rektorposten, und hat der Bewerber mehr Punkte angesammelt als der derzeitige Rektor (die Punkte ergeben sich u.a. aus den Dienstjahren und daraus, in welchen Schulen bereits gearbeitet worden ist), dann wird einfach ausgewechselt. Und der vorherige Rektor ist dann wieder ein "einfacher" Lehrer.
Sicherlich wird der Überzeugung, das so etwas auf Dauer nicht funktionieren KANN, prinzipiell zugestimmt.

Fazit des Ganzen ist, dass nun viele Schulen über theoretisch gut ausgestattete Labors verfügen, deren vormals teuer bezahlte Gerätschaften aber leider zumeist ungenutzt in Kartons verstauben, während nun das den Schulen zur Verfügung gestellte Kapital so stark gekürzt wird, dass zu befürchten ist, dass vielerorts nicht einmal das Geld für Heizöl und Strom zur Verfügung stehen wird.

Doch auch hier werden die Verantwortlichen nicht herangezogen, weder diejenigen, die im Kultusministerium sitzend irgendwelche, mehr oder weniger sinvolle Projekte am Schreibtisch geplant hatten, noch diejenigen der Rektoren, die sich zwar für für die Durchführung der Projekte beworben, anschließend jedoch als völlig unfähig erwiesen hatten. 
Bezahlen werden die Rechnung wohl die Schüler, die in diesem Winter möglicherweise mit Decken bewaffnet in ihre Schulen werden gehen müssen, damit sie in den ohnehin schlecht isolierten Gebäuden nicht werden frieren müssen.

Fazit:
Es scheint ein weit verbreitetes Phänomen zu sein, dass "das System" jederzeit bereit ist, gemachte Fehler nicht von denjenigen korrigieren zu lassen, die diese Fehler irgendwann einmal begangen hatten, die Rechnung dafür wird denjenigen präsentiert, die unter diesen Fehlern ohnehin schon zu leiden haben.

Und so sollte man mit seiner Kritik gegenüber den Demonstranten sehr vorsichtig sein, denn man wird unter ihnen sicherlich niemanden finden, der zu den "großen Steuerhinterziehern" gehört, die sitzen wohl eher gemütlich in den Häusern, Villen, Jachten usw., die sie sich "erwirtschaftet" haben.
Dort draußen auf den Straßen sind nur diejenigen zu finden, die mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, auf genau das aufmerksam zu machen, was hier (und überall auf der Welt) schief läuft:

DER NORMALVERBRAUCHER HÄLT DEN KOPF HIN FÜR DEN LUXUS, IN DEM DIE WIRKLICHEN VERURSACHER DER MISERE LEBEN KÖNNEN, SEI ES NUN OTTO, KOSTAS ODER IRGENDEIN ANDERER NORMALVERBRAUCHER.
(Hinweis:  Unter "Misere" ist das zu verstehen, was Misswirtschaft und Fehlentscheidungen gebracht haben, Dinge, die im Interesse einiger weniger und nicht der Gemeinschaft und des Volkes unter aller Augen und in aller Ruhe haben geschehen dürfen)


Persönlicher Kommentar:
Hier im Ort hat sich eine Friseurin angeboten, in einer der Grundschulen den Kindern für nur 3 Euro die Haare zu schneiden. Dieses Geld stellt sie der Schule als Spende für die laufenden Kosten zur Verfügung.
Eine Privatlehrerin für Deutsch wird Gruppenunterrichte für Erwachsene für 5 Euro je Stunde anbieten, das erwirtschaftete Geld soll ebenfalls ausnahmslos der Schule gehören, sie besteht allerdings darauf, dass es den Kindern in Form von Heizöl zu Gute kommen wird.
Möglicherweise bringt die ganze Situation also auch etwas Gutes im Sinne von GEMEINSCHAFTSSINN mit sich. Man soll ja immer ein bisschen positiv denken ....




1 Kommentar:

  1. Ich habe jetzt aber doch mal eine Frage an die griechischen Demonstranten: http://mosereien.wordpress.com/2012/10/09/griechenland-und-die-nazi-keule/

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