Landwirtschaftliche Produkte vom Erzeuger direkt zum Endverbraucher, ganz ohne Zwischenhändler, um die Preiserhöhungen aufzufangen und leben zu können
- Dass die Situation in Griechenland immer mehr ausufert,
- dass die Arbeitslosenzahl nunmehr wöchentlich dramatisch ansteigt,
- dass es für die Arbeitslosen keine Aussicht auf einen neuen Arbeitsplatz gibt, da die mit den Kreditgewährungen verbundenen Auflagen die Schließung kleiner, mittlerer und auch größerer Betriebe einschließt,
- dass Arbeitslosengeld nur für die Dauer von 12 Monaten gewährt wird,
- dass Schulen kaum mehr die Mittel zum Kaufen von Heizöl haben (das zwischenzeitlich durchschnittlich1 Euro/Liter kostet),
- dass nicht wenige Kinder arbeitsloser Eltern hungernd in den Schulen sitzen – die Zahl Jugendlicher, die wegen Kreislaufproblemen nach manchmal über 30 Stunden ohne etwas zu essen zusammenbrechen, wächst übrigens auch Tag für Tag – und,
last but not least,
- dass die Schwarzarbeit ihren Weg zu denjenigen findet, die sich darüber freuen, wenn sie einen Job für wenigstens ein paar Tage haben,
alles das - und diese Liste könnte beliebig verlängert werden - ist in Griechenland zum Alltag geworden, auch wenn niemand mehr darüber reden will, weil man sich die hoffnungslose Situation nicht ständig vor Augen halten möchte.
Während dieser schwierigen Zeit, die mit Sicherheit nicht so leicht „erfühlbar“ ist für Menschen, die (zumindest bis jetzt noch) in so genannten „geregelten Verhältnissen“ leben, suchen und finden die Menschen hier nach legalen Möglichkeiten, um das tägliche Leben bezahlbar zu machen.
Am 29. Februar 2012 um 14:36 Uhr erscheint nun in der Zeitung Vima online (griech.: Βήμα) ein Artikel, der über eine nahezu unglaubliche Selbsthilfemaßnahme in Griechenland berichtet.
So hat sich eine Gruppe gebildet, die sich Εθελοντική Ομάδα Δράσης Νομού Πιερίας (Ethelontiki Omada Drasis Nomou Pierias – wörtlich: Ehrenamtliche Gruppe von Aktionen in der Präfektur Peria) nennt.
Die Mitglieder dieser tatsächlich sehr aktiven Gruppe der Präfektur Peria (Gebiet um Katerini, Nordgriechenland), organisieren, ohne jegliche Bezahlung dafür zu bekommen, Verkäufe von landwirtschaftlichen Erzeugnissen Griechenlands, die nur deshalb extrem günstig beim Endverbraucher landen können, weil jede Art von Zwischenhändler ausgeschaltet ist.
Im Klartext heißt das:
Vom Erzeuger direkt zum Verbraucher.
Welche Produkte dabei zum Verkauf kommen sollen, wird über die Homepage der Gruppe ermittelt – hier können die Bürger angeben, was sie für sinnvoll und notwendig erachten, dann wird der Verkauf dieser Produkte von der Gruppierung organisiert.
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| 75 Tonnen in 20 Stunden - Bildquelle: http://www.otoposmou.gr/ |
So ist gerade eine Aktion zu Ende gegangen, bei der Kartoffeln verkauft wurden. Vom Erzeuger direkt zum Endverbraucher, zu einem Preis von 2,50 Euro pro 10 Kilo.
Die Aktion war so erfolgreich, dass eine Mammutbestellung in der Homepage der Ethelontiki Omada eingegangen ist und versucht wird, noch einmal eine solche Verkaufsaktion von Kartoffeln zu organisieren.
Dafür muss natürlich Kontakt zu den Erzeugern aufgenommen werden, die durchaus nicht ausschließlich aus der Umgebung von Katerini stammen.
Im Moment versucht man, so erklärt Kostas Tzomidis, Mitglied der Gruppe, auf Grund der großen Nachfrage der Bürger weiße Bohnen aus Prespa, Präfektur Florina, zu organisieren.
Sollten die Bemühungen erfolgreich sein, so Tzomidis, dann ist zu erwarten, dass die besonders im Winter so heiß begehrten weißen Bohnen bis zu 50 % billiger beim Endverbraucher ankommen werden, als es mit den zwischengeschalteten Händlern der Fall ist.
Nach der so erfolgreichen Verkaufsaktion von Kartoffeln, soll es nun zu einer Verkaufsaktion von Olivenöl kommen - ganz wie von den Bürgern gewählt - natürlich auch hier ohne Zwischenhändler, die den Preis des Öls nach oben treiben würden.
Die Liste der von den Bürgern gewünschten Produkte in der Präfektur Katerini beginnt mit dem höchsten Prozentsatz bei Mehl, gefolgt von Nudeln, weißen Bohnen, Reis und Kartoffeln. Zwiebeln, Linsen und Kichererbsen stehen an den letzten Stellen.
Ähnliche Aktivitäten werden zwischenzeitlich auch in Veria organisiert, wo sich die Mitglieder der Οικολογική Ομάδα Βέροιας (Ikolojiki Omada Verias – Ökologische Gruppe von Veria) um alles Notwendige kümmern, des Weiteren sind laut dem Bericht der Zeitung Vima auch in Athen, Volos, Larisa und Thessaloniki bereits Gruppierungen dabei, ähnliche Aktionen ins Leben zu rufen.
Berücksichtigt man einmal, dass es durchaus nicht um besondere Delikatessen geht, sondern schlicht und ergreifend um ganz einfache Grundnahrungsmittel, dann könnte man vielleicht langsam zu verstehen beginnen, was eigentlich wirklich hier in Griechenland los ist und worum es tatsächlich geht:
Es geht nicht um Politik oder die Möglichkeiten demokratischer Wahlen von Parteien, es geht nicht mehr darum, dass man mit den so genannten "Volksvertretern" (die zumeist gar keine mehr sind, sobald sie einen Fuß ins Parlament gesetzt haben) nun einmal leben muss,
NEIN, es geht darum,
dass die Einsparungen nicht nur die Wirtschaft des Landes ruinieren, sondern auch den MENSCHEN jegliche Lebensgrundlage nehmen.
Das abrupte Auflösen eines in vielen Jahrzehnten aufgebauten Verwaltungsapparates und die damit verbundenen Arbeitslosen, das Reduzieren sämtlicher sozialer Leistungen (griechisch sozial bedeutet durchaus nicht deutsch sozial!), das darauf automatisch folgende Schrumpfen der Kaufkraft und Wirtschaft, …, man muss durchaus kein Wirtschaftexperte mehr sein, um das Ende absehen zu können.





